Der Ruhewald der Stadt Hanau ist der jüngste Baustein der Hanauer Friedhofslandschaft und zugleich Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels in der Bestattungskultur. Mit dem wachsenden Wunsch vieler Menschen nach naturnahen, pflegefreien Bestattungsformen abseits klassischer Grabfelder hat die Stadt Hanau im Jahr 2020 erstmals einen eigenen städtischen Bestattungswald geschaffen.
Eingeweiht wurde der Ruhewald am 18. September 2020 am Alten Kahler Weg im Stadtteil Großauheim. Angelegt und unterhalten wird er vom städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS). Auf einer rund ein Hektar großen, mit Holzstämmen eingefassten Mischwaldfläche wurden 129 Bäume als Bestattungsbäume ausgewählt. Pro Baum können am Wurzelfuß bis zu 32 Urnen beigesetzt werden, so dass insgesamt, je nach natürlichem Wachstum der Bäume, bis zu rund 2.124 Grabstellen zur Verfügung stehen.
Angehörige können zwischen einem Gemeinschaftsbaum und einem individuellen Familienbaum wählen. An Einzelbäumen werden die Verstorbenen durch diskrete Namensschilder gekennzeichnet, während in den Gemeinschaftsbereichen die Daten der Verstorbenen auf einem großen, runden Basaltstein festgehalten werden. Der naturnahe Charakter des Waldes bleibt dabei bewusst erhalten: Es gibt keine befestigten Wege, keine Grabpflanzungen und keine Grabsteine; Eingriffe beschränken sich auf Maßnahmen zur Verkehrssicherung.
Mit dem Ruhewald ergänzt Hanau sein Angebot aus klassischen Friedhöfen wie Haupt-, Waldfriedhof oder den Stadtteilfriedhöfen um eine moderne Form der Waldbestattung in städtischer Hand. Damit greift die Stadt den Trend zu naturnahen Bestattungen auf und bietet eine alternative Ruhestätte, die Erinnerung und die Idee eines bleibenden Lebensraums im Wald miteinander verbindet.